Geschichte
Chronik des Karneval Club Cochem 1974 e.V. Eschollbrücken-Eich
Einige mutige, optimistische Frauen und Männer gründeten im Jahr 1974 einen Karnevalverein in Eschollbrücken mit dem damals zugehörigen Ortsteil Eich. Zuvor wurden karnevalistische Umzüge und Veranstaltungen vom Turn- und Sportverein im Ort abgehalten, insbesondere von der Abteilung Spielmannszug.
Es wurde ein eigenständiger Verein gegründet, denn der bereits abteilungsstarke Turn- und Sportverein zeigte für eine weitere Verstärkung durch Karnevalisten kein Interesse. Jedoch wurde der damalige Vorsitzende Walter Schöcker selbst Mitbegründer des am 19.12.1974 konstituierenden Eschollbrücker Karnevalvereins. Die Gründer Elsa Breitschuh, Mariechen Hauf, Adam Koch, Philipp Koch, Gerhard Leichtweiß, Franz Manz, Richard Roth und Walter Schöcker einigten sich auf den Namen:
Karneval Club Cochem 1974 Eschollbrücken-Eich
Den Vorsitz übernahm Adam Koch, sein Stellvertreter war Franz Manz. Die Eintragung in das Vereinsregister unter der Nummer 8 VR1518 beim Amtsgericht Darmstadt erfolgte im Jahr 1978. Ebenso die Anerkennung als gemeinnütziger Verein vom Finanzamt Darmstadt.
Eine lange Lebensdauer wurde dem neu gegründeten Verein nicht eingeräumt, denn in der Vergangenheit waren schon zu viele Versuche in dieser Art unternommen worden, die aber alle scheiterten.
Das Gegenteil hat sich bis heute erwiesen. Der KCC hat sich einen guten Platz im kulturellen Bereich im heutigen Stadtbezirk von Pfungstadt erobert und ist weit über diese Grenzen hinaus bekannt geworden.
Die erste Bewährungsprobe musste mit dem ersten Fastnachtsumzug im Jahr 1975 bestanden werden. Die Schirmherrschaft für den Umzug hatte die damals noch selbständige Gemeinde Eschollbrücken/Eich übernommen. Der vom KCC geleitete Umzug war dank der Beteiligung fast aller Ortsvereine ein voller Erfolg. Der Umzug wurde seit dieser Zeit jeweils am Fastnachtssonntag vom KCC durchgeführt, der alljährlich nicht nur die Einwohner Eschollbrückens und Eich, sondern auch viele Schaulustige von Pfungstadt, Hahn und weiterer Umgebung anlockt.
Große Anstrengungen finanzieller Art, mussten in der ersten Kampagne auch von dem ersten Herren-Elferrat und den Komiteemitgliedern geleistet werden. Elferrats- und Sitzungspräsident war Hans Mehr. Damals fand die erste Sitzung noch in der TSV-Halle statt. Da alle Plätze selbst in der Halle durch das Publikum belegt waren und die relativ kleine Bühne den Aktiven vorbehalten war, musste man für die Musiker ein Zwischenpodest in luftiger Höhe erbauen. Dank der Anstrengung aller Aktiven, aber auch dank eines treuen und dankbaren Publikums, wurde diese Kampagne, wie auch alle nachfolgenden, ein voller Erfolg.
Der Tanzgarde, von der ersten Stunde eine ständige Einrichtung beim KCC unter der damaligen Trainerin Marianne Rohrbach, folgten weitere Tanzgruppen, wie Funkenmariechen, Girls, Cochemer Allerlei, Purzel und Männerballett. Die Büttenredner, die Gesangsgruppe „Sandbachspatzen“, alles fast ausnahmslos Eschollbrücker und Eicher, gaben ihr Bestes zu einem beständigen Gelingen aller Veranstaltungen.
Die in der Kampagne 1976/77 gegründete Prinzengarde mit ihrem Ehrengeneral und Ehrenbürgermeister Justus Ahlheim und bis zum Jahr 2000 amtierenden Generalfeldmarschall, Anton Frankenberger an der Spitze, ist eine hilfreiche Truppe, die nicht mehr beim KCC wegzudenken ist. Die Führung der Prinzengarde hat Jörg Michael Häuser bis März 2000 und ab März 2003 Thomas Uschkurat übernommen. Anton Frankenberger wurde von der Prinzengarde im Januar 2002 zum Ehren-Generalfeldmarschall ernannt.
Mit der Erstürmung des ehemaligen Rathauses am „Altweibertag“ , dem Donnerstag vor Fastnachtssonntag und anschließender „Gefangennahme“ des Bürgermeisters und des Ortsvorstehers gelingt den Altweibern des KCC immer wieder eine Gaudi-Veranstaltung, die viel Freude, Humor und Frohsinn mit sich bringt.
Aber nicht immer lief alles glatt ab. Bereits im Jahr 1977 kam es zwischen dem damaligen 2. Vorsitzenden und dem Sitzungspräsidenten zu Meinungsverschiedenheiten, die darin endeten, dass der 2. Vorsitzende Ende des Jahres 1977 sein Amt niederlegte, mit einigen Anhängern aus dem KCC austrat und einen eigenen Karnevalverein in Eschollbrücken gründete, dem jedoch keine lange Existenz beschieden war. Im Jahr 1977 wurde vom TSV angekündigt, dass ein Umbau der TSV-Halle bevorsteht und im Herbst die Halle nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Da auch die neu errichtete gemeindeeigene Halle von der Stadt Pfungstadt. nicht zur Verfügung gestellt wurde - hier sei auf den „Schlappenaufruf“ beim Adventskonzert im Dezember 1977 hingewiesen - musste man mit der Eröffnungssitzung im November 1977 nach Hahn ausweichen. Dank der Unterstützung des damaligen Ersten Stadtrates Wilhelm Weingärtner als Protokoller und der Hahner Sänger wurde auch diese Veranstaltung ein wahrer Erfolg. Aber bereits für die Kampagne 1979 bekam der KCC die Genehmigung seine Veranstaltungen in der großen städtischen Halle in der Freihherr-vom-Stein-Straße durchzuführen.
Im Jahr 1979 gründete sich auch der Damen-Elferrat und erstmals wurde ein Kinderprinzenpaar mit den Kindern Nicole Schmidtbauer und Thomas Ehlke gekürt. Neujahrsbälle und Neujahrsempfänge waren weitere gesellschaftliche Ereignisse, die neben dem ersten Ausflug in das Hinterthal/Österreich das Vereinsleben bereicherten.
Aber auch auf den sozialen Sektor engagierte sich der KCC. Der Erlös eines Heringsessens wurde der Lebenshilfe e.V. Pfungstadt und dem Eschollbrücker Kindergarten zugeführt. Weiter konnte der Kinderkrebshilfe Darmstadt aus einer Veranstaltung ein Betrag von 2.500.- DM übergeben werden. Im Jahr 1981 wurde eine Karnevalsveranstaltung ausschließlich für die Senioren des Bundesbahnsozialhilfewerkes in der Sport- und Kulturhalle in Pfungstadt durchgeführt. Es wurden Seniorennachmittagsveranstaltungen mit ermäßigten Eintrittspreisen und Kindermaskenbälle abgehalten, die in den späteren Jahren in die beliebten Familiennachmittage „mit Kind und Kegel“ bei freiem Eintritt umgewandelt wurden, wobei sich besonders der ab dem Jahr 1987 nachfolgende Sitzungspräsident Gerhard Leichtweiß und der Damen- und Herrenelferrat engagierte.
Bei einem Spendenaufruf zu Gunsten der städtischen Hilfsaktion „Kinder-Hilfe Bosnien“ konnten vom KCC im Jahr 1993 1.188,-- DM auf das Sonderkonto überwiesen werden.
Seit 1995 organisiert der KCC den alljährlichen Eschollbrücker Weihnachtsmarkt, der sich großer Beliebtheit erfreut.
Im Jahr 1981 trat der KCC dem Landesverband Hessen „Föderation Europäischer Narren“ (FEN) bei, deren Abordnungen auch alljährlich zu Gast bei den Sitzungen des KCC verweilen.
In der Jahreshauptversammlung vom März 1983 beschlossen die Mitglieder, dass die beim KCC bestehende Tanzsportabteilung als eigenständiger Sportverein beim Hess. Landessportbund angemeldet werden soll, da der Tanzgruppe nur das Bürgerheim für Übungsstätte von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde. Diese Übungsstätte ohne Sportgeräte, nicht ausreichender Kopfhöhe und beengten Verhältnissen war auf Dauer nicht hinzunehmen. Um in den Genuss von Übungsstunden in der städt. Sporthalle zu gelangen, wurde am 17.5.1983 der Tanzsport-Club Cochem (TCC) gegründet, dessen Vorsitz zunächst ebenfalls Adam Koch und ab 1986 Volker Philippi inne hatte. Ein unvergessenes Erlebnis für die tanzenden Mädchen wird sicherlich die Teilnahme am internationalen Gardetanz in Genk/Belgien bleiben, wo man außer Konkurrenz den 1. Platz belegte. Diese Platzierung berechtigte wiederum zur Teilnahme an der Deutschen Tanzmeisterschaft im Gardetanz im März 1984 in Mühldorf am Inn, wo man von 16. Mannschaften den 12. Platz belegte. Am 31.12.1994 wurde der TCC jedoch wieder aufgelöst, nachdem man feststellte, dass viele ehrenamtliche Kräfte durch diesen zweiten Verein zusätzlich gebunden waren und auch die Zusage der Stadt erfolgte, dass für die Nutzung der Sporthalle die Zugehörigkeit zu einem Sportverein keine Grundbedingung mehr war. An dieser Stelle möchte der Chronist erwähnen, dass der KCC stets eine gute Unterstützung durch die städt. Gremien erfahren hat und immer ein offenes Ohr bei den Verantwortlichen fand. Die Mitglieder des TCC wurden wieder ab 1.1.1995 in den KCC eingegliedert. Heute gehört die Tanzsportabteilung dem Deutschen Verband für Garde- und Schautanzsport im DSB an.
Das Jahr 1984 war geprägt durch das 10-jährige Bestehen des KCC. In einer Veranstaltung am 21.1.1984 wurde dieses kleine Jubiläum gebührend gefeiert. An dieser Veranstaltung nahmen auch 30 Delegierte der Cochemer Karnevalsgesellschaft (CKG) 1848 von der Mosel teil, mit denen man an diesem Tag zwischen beiden Vereinen eine Freundschaft gründete. Dem Freundschaftsbeschluss ging voraus, dass die Cochemer von der Mosel durch einen Presseartikel Kenntnis von dem Karnevalverein Cochem am Sandbach erhielten. Ein Telefongespräch zwischen den beiden Präsidenten Herwin Eckerskorn von der CKG und Hans Mehr vom KCC (letzteren verbanden persönliche Erinnerungen in der endenden Kriegszeit mit Cochem/Mosel) führte zum Besuch und Gegenbesuch bei Karnevalsveranstaltungen, die man bis heute beibehalten hat. Mittlerweile sind schon etliche private Freundschaften zwischen den Mitgliedern und ihren Familien gewachsen. Als im Jahr 1994 die Cochemer von der Mosel durch ein Hochwasser stark geschädigt wurden, konnten in einer spontanen Sammlung „Cochemer helfen Cochemern“ während der beiden Sitzungen des KCC 1.500,- DM eingenommen werden, die mit einer Abordnung bei einem Gegenbesuch für die hochwassergeschädigten Cochemer Bürger dem dortigen Ersten Stadtrat überbracht wurden.
Adam Koch, liebevoll „Schorsch“ in den KCC-Reihen genannt, führte den KCC bis zum März 1986. Für seine Verdienste bedankte sich der KCC im Laufe der Jahre mit der Ehrenbezeichnung „Ehrenmützenträger“, zeichnete ihn zum „Senator“ aus und verlieh ihm den FEN-Orden „Lachender Löwe“ von Hessen. Bei der Amtübergabe an Hans Mehr, der von 1975- 1987 Sitzungspräsident und seit 1985 Zweiter Vorsitzender war, wurde Adam Koch zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Eduard Brückner, der von 1978-1985 das Amt des stellv. Vorsitzenden bekleidete, wurde bei seinem Ausscheiden als 2. Vorsitzender zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt. Von beiden Ehrenvorstandsmitgliedern mußte sich der KCC in Juni 1995 an ihren Gräbern verabschieden. Ihnen und allen anderen, die dem KCC zur Seite standen, aber leider nicht mehr unter uns sind, gilt das ehrende Gedenken des KCC.
Hans Mehr leitete die Geschicke des Vereins als Vorsitzender bis zum Jahr 1994, der im März 1994 dem seit 1975 zugehörigen Vorstandsmitglied und langjährigen Schriftführer Manfred Griga das Amt des Vorsitzenden übertrug. Für seine Verdienste und langjährigen Bemühungen um den KCC wurde Hans Mehr am 11.11.1994 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Anlässlich des Rathausfestes am 20.5.1989 feierte man in dem restaurierten historischen Rathaus in Eschollbrücken gemeinsam mit den Cochemern von der Mosel das 5-jährige Bestehen der freundschaftlichen Beziehungen. Bei einem Empfang im Beisein des Landrates Dr. Hans-Joachim Klein, Stadtverordnetenvorsteher Prof. Dr. Ralf-Rainer Lavies und Bürgermeister Horst Baier wurde die 5-jährige Freundschaft in einer offiziellen Urkunde besiegelt. Die freundschaftlichen Beziehungen wurden mit gegenseitigen Besuchen bei Fastnachtsveranstaltungen, Festen und familiären Kontakten intensiviert.
Die Fastnachtsveranstaltungen im Jahr 1991 mußten wegen des damaligen Golfkrieges kurzfristig im Januar abgesagt werden, obwohl die Programmgestaltung bis ins letzte Detail perfekt und auch bereits der Umzug organisiert war. Ein herber Schlag für die Aktiven des KCC und eine große finanzielle Belastung für die Finanzen des Vereins. Aber auch diese Hürde wurde genommen.
Im Laufe der Jahre nahm man freundschaftliche Besuche mit vielen benachbarten Karnevalvereinen auf. So waren Abordnungen des KCC in Waldbrunn am Katzenbuckel im Odenwald, in Mannheim -Seckenheim, Waldkolonie Darmstadt, Groß-Umstadt, Erbach, Griesheim-St. Stephan, Stockstadt/Rhein, Crumstadt, Mörfelden-Walldorf, Pfungstadt, Darmstadt-Eberstadt, Sickenhofen, Weiterstadt, Balkhausen und Messel immer gern gesehene Gäste, zumal in einigen Fällen auch Akteure des KCC bei deren Sitzungen das Programm mit gestalteten.
Zu der Vereinsarbeit gehörten aber auch andere, weitere Veranstaltungen, wie beispielsweise Grillpartys, Radtouren, Wanderungen, „Kannehenk“ zur Eröffnung der Kampagne, Ausflüge nach Dinkelsbühl, Geiselwind, Saumagenessen in der Pfalz, Kutschfahrten im Spessart, Busfahrten in die nähere Umgebung, Besuch im ZDF-Fernsehgarten, die alljährliche Beteiligung der Prinzengarde am Weihnachtsmarkt, der Ordensschoppen mit Ordensverleihung für die Aktiven und der jährlich stattfindende Grenzgang am Eschollbrücker Kerb-Samstag im November.
Einen großen Arbeitseinsatz zeigten die Mitglieder des KCC als sie von Oktober 1999 bis zum Januar 2001 in Eigenhilfe ihrer Mitglieder, mit Finanzierung der Baumaterialien der Stadt Pfungstadt, einen Anbau an der städt. Mehrzweckhalle errichteten, um die Bewirtschaftung besser durchführen zu können und ausreichende sanitäre Anlagen zu schaffen.
Seit der Gründung des KCC haben es die Verantwortlichen des KCC stets verstanden die Präzision im Vereinsablauf zu verbessern und die Darbietungen exakter zu gestalten, ohne den Grundsatz zu verlassen „echten Cochemer Humor“ zu bieten.
- Fortsetzung folgt -
P.S. Die Bezeichnung „Cochemer“ für den Eschollbrücker Ureinwohner kommt aus dem jiddischen Wortschatz, wird mit langem o ausgesprochen und bedeutet: „Schlitzohr, ein Filou, aber auch ein helles Köpfchen, das die Flöhe husten hört.....“





